Elli Osteo
Ich heiße Eileen, komme vom Bodensee, dem südlichsten Teil Deutschlands, und lebe heute an der Ostseeküste, im hohen Norden. Diese äußere Strecke spiegelt ziemlich genau meine innere Entwicklung wider.
Was einmal vertraut war, wurde hinterfragt. Vieles wurde umgedreht, neu betrachtet, sortiert und auch losgelassen. Übrig geblieben ist nur das, was wirklich trägt: Klarheit, Authentizität, Balance und Leichtigkeit.
Ich bin nicht, wie so viele, mit Pferden aufgewachsen. Es gab Reiterferien, ein Pflegepferd, später einzelne Reitbeteiligungen – Berührungspunkte, aber keine Selbstverständlichkeit. Erst im Erwachsenenalter war ich bereit, Verantwortung für ein eigenes Pferd zu übernehmen. So kam meine Stute Garina in mein Leben.
Wir begegneten uns in einer Phase, in der wir beide erschöpft waren. Überarbeitet, müde, kraftlos – körperlich wie mental. Hätte es für Pferde einen Begriff wie Burnout gegeben, er hätte gepasst. In der Pferdesprache würde man vielleicht von Closed In sprechen. Die ersten Wochen waren geprägt von Ruhe. Kein Ziel, keine Erwartung. Spazierengehen, beobachten, gemeinsam stehen, dösen, Sozialpflege. In dieser Einfachheit begannen wir beide, langsam wieder Kraft zu sammeln.
Garina war zu diesem Zeitpunkt bereits 19 Jahre alt und blickte auf eine lange Springkarriere zurück. Entsprechend viele Baustellen brachte sie mit. Physiotherapeutische und osteopathische Behandlungen kamen und gingen. Verbesserungen waren spürbar, aber selten nachhaltig. In mir wuchs das Gefühl, dass da mehr möglich sein müsste.
Die Fragen, die mir meine Stute stellte, wurden zum Ausgangspunkt meiner heutigen Arbeit. Statt einzelne Symptome behandeln zu wollen, begann ich, nach den Zusammenhängen im Körper zu suchen. Die Ausbildung zur Pferdeosteopathin war der logische nächste Schritt.
Was als Lösung für persönliche Fragen begann, entwickelte sich schnell zu einer tiefen Leidenschaft und schließlich zu einem zweiten beruflichen Standbein. Die Arbeit mit Pferden, ihre oft sehr feinen Reaktionen und die nachhaltigen Veränderungen nach einer Behandlung bestätigten mich darin, diesen Weg weiterzugehen – ruhig, differenziert und immer mit dem Blick auf das Ganze.
Heute ist Garina wieder Pferd. Sie ist fröhlich, verspielt, kraftvoll und neugierig. Sie tobt, springt mit Freude und lässt sich wieder gerne reiten – leicht, präsent und aus eigenem Antrieb.
Besonders am Strand zeigt sich, was möglich geworden ist. Weite Linien, Wind, Wasser. Garina liebt das Meer und ihre Lieblingsidee ist immer dieselbe: im gestreckten Galopp gemeinsam Vollgas hinein.
Was geblieben ist, ist nicht nur mehr Beweglichkeit, sondern Vertrauen, Freude und echte Verbindung. Für uns beide.
Was meine Arbeit geprägt hat
Meine Arbeit ist nicht aus einer einzelnen Methode entstanden, sondern aus einem fortlaufenden Prozess des Beobachtens, Hinterfragens und Verstehens. Besonders geprägt haben mich Ansätze, die das Pferd nicht formen, sondern lesen, respektieren und sinnvoll begleiten.
Die Lehren von Antoine de Pluvinel stehen für einen feinen, respektvollen Umgang mit dem Pferd. Geduld, Klarheit und Verständnis bilden die Grundlage seiner Reitkunst. Leichtigkeit entsteht dort, wo das Pferd sich sicher fühlt und Bewegung aus innerer Ordnung heraus anbieten kann. Diese Haltung bildet einen stillen, aber tragenden Hintergrund meiner Arbeit.
Das Konzept „Mind Your Horse“ von Chris Irwin führt diesen Gedanken weiter und verlagert den Fokus auf die Körpersprache und Kommunikation zwischen Mensch und Pferd. Pferde reagieren nicht auf Worte, sondern auf Präsenz, innere Haltung und stimmige Bewegung. Wie wir stehen, gehen, atmen und unsere Aufmerksamkeit lenken, entscheidet darüber, ob ein Pferd innere Balance, Vertrauen und Orientierung entwickeln kann.
Die Akademische Reitkunst nach Bernd Branderup ergänzt diesen Ansatz um die gezielte Ausbildung des Körpers. Geraderichtung, Tragfähigkeit und bewusste Gymnastizierung schaffen die strukturelle Grundlage dafür, dass Bewegung gesund, klar und langfristig möglich bleibt. Ausbildung dient hier dem Pferd – nicht umgekehrt.
Diese Einflüsse verbinde ich in meiner Arbeit zu einem ganzheitlichen Verständnis von Pferd und Mensch. Struktur, Kommunikation und innere Balance greifen ineinander und bilden die Basis für nachhaltige Entwicklung – in der Behandlung ebenso wie im täglichen Umgang.


